Lässt sich durch den Einsatz dünner Implantate bei Patienten mit stark geschrumpften Kieferknochen ein operativer Knochenaufbau vermeiden?

‚Es ist unser Ziel, eine implantatprothetische Versorgung auch jenen Patientinnen und Patienten anzubieten, die keinen größeren Knochenaufbau (Augmentation) haben können oder wollen, oder bei denen solche Eingriffe nicht möglich sind.‘ So beschreibt Prof. Dr. Dr. Balil Al-Nawas von der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universität Mainz, die Bemühungen, das therapeutische Spektrum der Implantologie auszuweiten.

Nachteil: Bruchgefahr. 
Der Nachteil liegt in der erhöhten Bruchgefahr der Implantate. Die Sprödigkeit des Werkstoffs Titan scheint dabei eine Rolle zu spielen. Wie Al-Nawas berichtet, gibt es leider bislang nur wenige klinische Studien mit den dünnen Implantaten. ‚Doch die werden jetzt kommen«, sagt er. Über eine doppelblinde, randomisierte Untersuchung mit 91 Patienten berichtet Al-Nawas auch in Dresden. Hier kamen – neben konventionellen Titanwurzeln – dünne Implantate aus einer Titan-Zircon-Legierung zum Einsatz. Resultat: Die Erfolgsraten waren ein Jahr nach der Behandlung vergleichbar zu den normal dimensionierten Implantaten.

Vorteil: Knochenaufbau entfällt. 
Während normale Implantate einen Durchmesser von 3,5 bis 4,2 Millimeter haben, liegen die durchmesserreduzierten Titanwurzeln zwischen 3 und 3,5 Millimeter. Der Vorteil: In den vorderen Kieferbereichen können diese dünnen Implantate selbst dann noch eingesetzt werden, wenn der Kieferknochen normalerweise aufgebaut werden müsste, um ein Implatat aufzunehmen. Als Träger für Backenzähne sind die Dünnen allerdings nicht geeignet.

Der Patient muss entscheiden. 
Doch so lange weitere Studien und vor allem Langzeituntersuchungen fehlen, besprechen wir mit Patienten, die eventuell für eine solche Therapie mit dünnen Implantaten in Frage kommen, deren Vor- und Nachteile. Es gilt, den Aufwand eines operativen Knochenaufbaus abzuwägen gegen das technische Risiko, der Bruchgefahr des Implantats.‘

Quelle: Medaustria, 25.11.2011