Laut der unabhängigen Gesundheitsplattform www.medizin-Transparent.at der Donauuni Krems gibt es keinen Hinweis, dass glutenfreie Nahrung die Gesundheit fördert.
Das Klebereiweiß Gluten ist in Getreiden wie Weizen, Dinkel oder Gerste enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie verwendet es zudem für eine ganze Reihe industriell gefertigter Produkte, von Wurst bis zur Fertigsauce, was für zahlreiche Krankheiten verntwortlich gemacht wird.
Wissenschaftlich ist das nicht haltbar, betont Viktoria Titscher, Ernährungswissenschaftlerin am Department für Evidenzbasierte Medizin in Krems.

Auf der Suche nach wissenschaftlichen Belegen für diese Annahme durchforstete das wissenschaftliche Team von Medizin-Transparent zwei große medizinische Literaturdatenbanken, in denen insgesamt über 26 Millionen Publikationen eingetragen sind. Gut gemachte, aussagekräftige Studien fanden sich dabei jedoch keine. „Ein Gluten-Verzicht entbehrt jeder Grundlage und könnte sogar zu Mangelsymptomen führen“, sagt Titscher.

Vorsicht bei Zöliakie-Erkrankung

Die Einzigen, bei denen eine konsequent Gluten-freie Ernährung nachgewiesenermaßen hilft, sind Zöliakie-Kranke. Etwa 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung leidet an dieser Überreaktion des Immunsystems und verträgt die speziellen Eiweißverbindungen nicht: Sie führen im Darm zu chronischen Entzündungen, die ohne Ernährungsumstellung schwere Folgewirkungen haben können. „Zöliakie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die ärztlich abgeklärt gehört“, so Titscher.

Auch bei einer bestätigten Weizenallergie könnte eine Ernährung ohne Gluten die Symptome verbessern. Allerdings ist der Verzicht nur sinnvoll, wenn die Diagnose von Fachleuten kommt. Denn nicht immer sind selbst beobachtete „Unverträglichkeiten“ letztlich auch welche.

Gluten-frei-Trend aus den USA

Wie die meisten Ernährungsmoden kommt der Gluten-frei-Trend aus den USA, angetrieben von einschlägigen Bestsellern und Fallberichten, die durch die sozialen Netzwerke verstärkt werden. So behaupten Hollywoodstars wie Gwyneth Paltrow oder Rachel Weisz, sie würden sich „energetischer“ und besser fühlen, seit sie Gluten von ihrem Speiseplan verbannt haben. „Subjektiv gefühlte Verbesserungen reichen aber als Beleg nicht aus“, betont Julia Harlfinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Medizin-Transparent. „Sie können auf diverse Gründe zurückzuführen sein, zum Beispiel auf eine insgesamt bewusstere Ernährung mit mehr Obst, Gemüse und frisch zubereiteten Speisen.“

Eine weitere Hypothese für fallweise Verbesserungen: die noch wenig untersuchte Unverträglichkeit schwer verdaulicher Mehrfachzucker, so genannter „FODMAPS“. Sie können bei empfindlichen Personen zu Durchfall und starken Blähungen führen. FODMAPS sind in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthalten, darunter auch in Weizen und anderen Gluten-haltigen Getreidesorten. „Möglicherweise ist also nicht der Gluten-Verzicht, sondern das Weglassen der Mehrfachzucker der Grund für die Besserung“, ergänzt Titscher.

Kontakt:
M.Sc. Viktoria Titscher
Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie
Donau-Universität Krems
Telefon: +43 (0)2732 893 2925
E-Mail: viktoria.titscher@donau-uni.ac.at
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Quelle:: Donau Universität Krems_ Department Evidenzbasierte Medizin und kl. Epidemiologie (mst)